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Förderpreis der Landeshauptstadt München im Bereich Architektur, 2007

„In unserem Beitrag sind wir Phänomenen nachgegangen, die unser Nachdenken über Raum im Grundsatz bezeichnen. Im Zentrum des Beitrages stehen die frei im Raum gesetzten Baumstämme - Fichtenstämme, die meist noch im Wald nach dem Schlagen auf industriell anmutende Weise geschält werden. Durch diese Schälung, die sich als Schraublinie an den Stämmen abzeichnet, werden sie zum Produkt, zum Baumaterial. Stellt man sie auf, erzählen sie vom Stützen, von Substruktionen, aber auch vom Bauprozess. In der Weise, wie sie gestellt sind, erinnern sie jedoch zudem an den Raum, aus dem sie stammen: dem Wald. Dieser Bedeutungsreichtum ist nach unserer Auffassung insofern interessant, als er von dem erzählt, was wir sehen, was wir gesehen haben und auch davon, was wir sehen können. Unser Büro hat mit eben diesem Material und den damit verbundenen Phänomenen bereits in einem realisierten Projekt gearbeitet. Auf den neun Stämmen sind drei Bildserien angebracht. Sie sind auf drei unterschiedlichen Höhen fixiert und weisen auf
drei Punkte im Ausstellungsraum, von denen aus je eine Serie ganz und ausschließlich zu sehen ist. Dass sich diese Arbeit demnach aus dem Erschließen des Raumes auch inhaltlich erschließt ist für uns in zweifacher Hinsicht wichtig: zum Einen ist damit eine Analogie zum räumlichen wie sinnlichen Erschließen von Architektur überhaupt versucht und zum Anderen ist die These verbunden, dass sich Wahrnehmung des architektonischen Raumes aus der Überlagerung von wahrgenommenen Fragmenten zusammengefügt. Dieser These folgend stellen 23 der 24 gezeigten Bilder Fragmente der ausgestellten Projekte dar. Die gezeigten Projekte sind ein Schulungsbau, in dem die Baumstützen zum Einsatz gekommen sind, der für ein Trainingsgelände der Bundeswehr realisiert wurde, die Erweiterung der Sammlung Goetz um ein Medienmuseum [base103] und der Wettbewerbsgewinn der Gedenkstätte für das ehemalige KGB-Gefängnis Potsdam, [...]. Das einzige Bild, das eine Gesamtschau zeigt, stellt dieses ehemalige KGB-Gefängnis dar. In all diesen Projekten tauchen die oben angesprichenen Phänomeneo in Raum und Material auf.“

Wolfgang Brune, Förderpreis Projektstipendien 2007